Schaden- und Wertgutachten

Kaskoschaden

 

Im Gegensatz zur Fahrzeugschadenabrechnung beim Haftpflichtschaden, die sich nach gesetzlichen Vorschriften richtet, handelt es sich bei der Fahrzeugversicherung um Vertragsrecht. Hierbei sind die AKB (Allgemeinen Kfz-Versicherungs-Bedingungen) zu beachten. Für den Verbraucher gilt es also, den Versicherungsvertrag genau durchzulesen.

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Schadengutachten bei Haftpflichtschäden

(fremdverschuldet)

Grundsätzliches

Der Geschädigte ist Herr des Verfahrens (das Fahrzeug ist und bleibt schließlich IHR Eigentum) – das heißt, Sie haben grundsätzlich Recht auf: freie Wahl des Sachverständigen, freie Wahl der Werkstatt, freie Wahl des Rechtsanwalts. Weitere Infos zum Recht des Geschädigten siehe Liste.

Vorsicht Falle

Ein Fehler, den Unfallgeschädigte aus Unwissenheit oft begehen: ihnen wird von der gegnerischen Versicherung nahegelegt, einen der versicherungs-eigenen Sachverständigen zu beauftragen, eventuell verbunden mit dem Hinweis, dass ein vom Geschädigten selbst beauftragter Sachverständiger nicht bezahlt würde.

Richtig ist:

Der Geschädigte hat grundsätzlich das Recht auf freie Wahl eines Sachverständigen.

Ferner ist der vom Geschädigten beauftragte Sachverständige nach unterschriebener Abtretungserklärunggrundsätzlich sogar selbst berechtigt, seine Gebühren direkt bei der gegnerischen Versicherung geltend zu machen.

Hintergrund

Juristisch betrachtet handelt es sich bei diesen Schadensgutachten um Parteigutachten: das Gutachten wird vom Sachverständigen im Auftrag einer Partei (des Geschädigten oder des Schädigers [=dessen Versicherung]) angefertigt.

Lässt die Versicherung das beschädigte Fahrzeug begutachten, fertigt der Sachverständige das Gutachten im Auftrag der Versicherung an.

Lässt der Geschädigte das Gutachten von einem freien Sachverständigen begutachten, so ist er selbst der Auftraggeber (Werkvertrag).

Kaum jemand käme wohl auf die Idee, sich in einem Rechtsstreit dem Rechtsanwalt des Gegners anzuvertrauen.

Gesetzlicher Hintergrund

Der Geschädigte muss in den selben Zustand versetzt werden, als sei der Unfall nicht passiert (§§ 823, 249 BGB). Dies begründet auch z. B. die Nutzungsausfallentschädigung, die Entschädigung für Verdienstausfall, Mietwagen, Wertminderung, Kosten zur Wiederherstellung der Gesundheit, die Sachverständigenkosten, die Anwaltskosten usw.
Grundlage hierfür ist § 249 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

«Wer zum Schadenersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Schadenersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre.» – (Satz 1; begründet den Schadenersatz)

«Ist wegen der Verletzung einer Person oder wegen der Beschädigung einer Sache Schadenersatz zu leisten, so kann der Gläubige statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen. Bei der Beschädigung einer Sache schließt der nach Satz 1 erforderliche Geldbetrag die Umsatzsteuer nur mit ein, wenn sie tatsächlich angefallen ist.» – (Satz 2; begründet die Wahlfreiheit des Geschädigten. Hier Reparatur oder Auszahlung in Geld.)

Aufgrund der Gesetze und Rechtsprechung können sich in Einzefällen Besonderheiten ergeben und es sollte ein Anwalt hinzugezogen werden.

Unser Tipp

Die Kosten für Rechtsanwalt und/oder Sachverständigen gehören zum Schadenumfang und müssen grundsätzlich von der gegnerischen Versicherung – zumindest anteilig (festgestellt Haftungsquote) – beglichen werden.

Wertgutachten

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  • Ermittlung des Marktwertes nach DAT
  • Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes nach DAT
  • Ermittlung des Händlereinkaufswertes
  • Ermittlung des Werts z. B. von Leasingrückläufern, Übernahme von Firmenwagen, etc.

Definitionen

Begriffe rund um den Schadenfall

Bitte klicken Sie die einzelnen Begriffe an, um die Definition anzuzeigen.

Im Haftpflichtschadensfall ist der Unfallverursacher verpflichtet, dem Unfallopfer gemäß § 249 BGB den Schaden zu ersetzen, den er unfallbedingt erlitten hat. Der Unfallgeschädigte ist so zu stellen, wie er stehen würde, wenn der Unfall nicht eingetreten wäre. Im Haftpflichtschadenfall tritt Kraft Gesetzes an die Stelle des Schädigers die Haftpflichtversicherung des Unfallbeteiligten. Beim Haftpflichtschadensfall werden Schadenersatzansprüche geltend gemacht.
Hiervon klar zu unterscheiden sind vertragliche Ansprüche aus der eigenen Kaskoversicherung.
Im Kaskoschadensfall hat der Versicherungsnehmer bei einem selbst verschuldeten Unfall gemäß den Versicherungsbedingungen Anspruch auf Ersatz der unfallbedingten Schäden. Es handelt sich hier ausschließlich um vertragliche Ansprüche, die streng zu trennen sind von den Schadenersatzansprüchen im Haftpflichtschadensfall. Die Höhe der Ersatzleistung richtet sich stets nach den Versicherungsbedingungen (Kaskobedingungen). In der Regel hat der Versicherungsnehmer eine Selbstbeteiligung zu tragen.
Von einem Totalschaden spricht man, wenn die Wiederherstellung des beschädigten Fahrzeuges entweder nicht möglich (technischer Totalschaden) oder unwirtschaftlich ist (wirtschaftlicher Totalschaden). Der Anspruch auf Wiederherstellung verwandelt sich dann in einen Anspruch auf Geldersatz. Technischer Totalschaden liegt vor bei völliger Zerstörung des Fahrzeugs oder bei Unmöglichkeit der Reparatur aus technischen Gründen. Der wirtschaftliche Totalschaden liegt vor, wenn unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr von Reparaturwürdigkeit gesprochen werden kann. Von einem unechten Totalschaden spricht man, wenn dem Geschädigten die Reparatur nicht zugemutet werden kann, obwohl die Summe aus Minderwert und Reparaturkosten geringer ist als die Differenz zwischen Wiederbeschaffung und Restwert.
Der Geschädigte, der kein Ersatzfahrzeug anmietet, hat grundsätzlich Anspruch auf Geldentschädigung im Sinne von § 249 Abs. 2 BGB für die Entziehung der Nutzungsmöglichkeit seines beschädigten Pkw. Die Höhe der Nutzungsausfallentschädigung bemisst sich u. a. nach der Reparaturdauer. Der konkrete Tagessatz kann bspw. der Nutzungsausfallentschädigungstabelle «Sanden, Danner, Küppersbusch» entnommen werden. Der Kfz-Sachverständige wird im Schadengutachten die technische Einordnung des Fahrzeuges für den Nutzungsausfall vornehmen.
Der Wiederbeschaffungswert ist der Wert, den der Geschädigte für ein vergleichbares Fahrzeug bei einem seriösen Händler aufwenden muss. Der Sachverständige berücksichtigt bei der Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes alle wertbildenden Faktoren sowie die örtliche Marktlage.
Zur Definition des Restwertes hat der BGH bereits am 06.04.1993 entschieden, dass der Geschädigte bei Ausübung der Ersetzungsbefugnis des § 249 Abs. 2 BGB die Veräußerung seines beschädigten Kraftfahrzeugs grundsätzlich zu demjenigen Preis vornehmen darf, den ein von ihm eingeschalteter unabhängiger Sachverständiger als Wert auf dem allgemeinen Markt ermittelt hat. Auf höhere Ankaufpreise spezieller Restwertaufkäufer muss der Geschädigte sich in aller Regel nicht verweisen lassen. Den Restwert ermittelt ein unabhängiger Sachverständiger unter Berücksichtigung des konkreten Schadenbildes und regionaler Marktgegebenheiten.
Der Minderwert ist ein erstattungsfähiger Schaden, der damit begründet wird, dass ein Unfallwagen im Falle eines späteren Verkaufs einen geringeren Erlös erzielen kann als Fahrzeuge ohne Vorschäden. Der Minderwert wird durch einen unabhängigen Sachverständigen im Gutachten gesondert ausgewiesen. Auch bei älteren Fahrzeugen kann ein merkantiler Minderwert anfallen.
Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um bis zu 30%, kann der Geschädigte das Fahrzeug grundsätzlich dennoch instandsetzen lassen, soweit er das Fahrzeug weiter nutzt und die Reparatur fachgerecht durchgeführt wird.
Als Unfallgeschädigter haben Sie grundsätzlich ein Wahlrecht, ob Sie Ihr Fahrzeug reparieren lassen wollen ( konkrete Abrechnung) oder ob Sie die im unabhängigen Gutachen ermittelten Reperaturkosten ausbezahlt haben möchten (fiktive Abrechnung). Übersteigen die Reperaturkosten die Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert und dem Restwert, kann die Versicherung auf dieser Basis abrechnen. Zudem wird bei einer fiktiven Abrechnung die Mehrwertsteuer nur noch erstattet, wenn sie auch tatsächlich angefallen ist und nachgewiesen wird.